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Kreisvolkshochschüler von Integrationssprachkursen beschreiben für Vernissage zu Bildern von Angelika Lich ihre Gefühle in deutscher Sprache

Vernissage Zertifikate 1 02.2012

Nusrat Shaheen Awan erhält in Anwesenheit ihrer Familie aus den Händen von Landrätin Anita Schneider ihr Zertifikat. Bild: Landkreis Gießen

Vernissage Zertifikate2 - 02.2012

Die Künstlerin Angelika Lich vor einem ihrer Werke. Bild: Landkreis Gießen

Vernissage Zertifikate3 - 02.2012

Gruppenbild mit Landrätin Anita Schneider (r.) nach der Übergabe der Zertifikate. Bild: Landkreis Gießen

Ungewohnte Zeugnisverleihung

 

Kreisvolkshochschüler von Integrationssprachkursen beschreiben für Vernissage zu Bildern von Angelika Lich ihre Gefühle in deutscher Sprache

 

Landkreis Gießen/Lich. Eine ungewöhnliche Zeugnisübergabe erlebten die 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vier Integrationskurse Deutsch im VHS-Haus der Kreisvolkshochschule in Lich. In die feierliche Übergabe ihrer Zertifikate „Deutschtest für Zuwanderer“ wurde eine Vernissage der Künstlerin Angelika Lich eingebunden, die in der Bildungseinrichtung des Landkreises auf den zwei Etagen ihre Werke unter der Überschrift „Alltag im Großen und im kleinen Ganzen – es menschelt, knirscht, kracht“ ausstellt.

 

„Was wir erleben, ist was Wunderbares, denn es zeigt, was ein VHS-Haus ausmacht“, sagte Landrätin Anita Schneider in ihrem Grußwort zur Vernissage, zu der auch Dr. Marieanne Ebsen-Lenz als Leiterin des Hauses die etwa 50 Gäste begrüßte. Dieses Ereignis verdeutliche, wie vernetzt VHS arbeite und ihre Besucherinnen und Besucher dadurch die unterschiedlichen Lernbereiche spüren und wahrnehmen lasse. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Zusammenspiel entstand im Alltag. Werner Leipold, unter anderem Leiter des Programmbereichs Sprachen, war bei einem Gang durch den Flur und einem Blick auf die vielfältigen Bilder vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung auf eine Idee gekommen: Warum sollten die Absolventen des Integrationskurses nicht ihre Kenntnisse anwenden, indem sie die Wirkung der Bilder auf sie beschreiben?

 

Thanyawan Hassinger kommt ursprünglich aus Thailand und wohnt in Grünberg. Sie schreibt zu dem Motiv „Mädchen vor dem Sonnenblumenfeld“ etwa: „Auf dem Bild sieht man einen Sonnenblumenacker. Davor sitzt ein Kind mit einer Sonnenblume in der Hand. Das Mädchen hat ein rosa Kleid angezogen. Es ist ganz fasziniert von der schönen Blume. Mir gefällt dieses Bild sehr gut.“ An einer Stellwand sind viele weitere Reaktionen der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sprachkurse zu finden, formuliert in der für sie vor kurzem noch fremden Sprache. Wer diese Leistung nicht recht einzuschätzen vermag, stelle sich vor, in Thailand einen Sprachkurs zu absolvieren und danach in ganzen Sätzen ein Gemälde zu beschreiben.

 

Die Ausstellung beeindruckt mit ihren 80 Exponaten nicht nur durch die extrem unterschiedliche  Motivwahl, sondern auch in ihren Formaten und ihrer handwerklichen Vielfalt, von der schlanken Zeichnung bis zum üppigen Ölbild. Kohle, Pastell, Aquarell, Acryl, Mischtechnik: Die Malerin und Kunsthandwerkerin aus Allendorf/Lumda lässt lediglich ihre Bilder festnageln, aber keinesfalls sich in der Wahl der Mittel und Inhalte. Da ist sie kompromisslos, was zugleich die Stärke der erfrischenden Werke ist.

 

Ob realitätsnah, träumerisch oder satirisch: „Die Motive sind wie ich“, sagt sie, „ich fange alles ein, was mir ins Auge kommt, da ist nichts vor mir sicher.“ Zu entdecken gibt es in romantisches Rot getauchte Atomkraftwerke, ein Stillleben aus Lakritzschnecken genauso wie kindliche Streitigkeiten oder ein ineinander verschlungenes Tanzpaar, um nur eine kleine Auswahl zu benennen.

 

Die Ausstellung „Alltag im Großen im kleinen Ganzen – es menschelt, knirscht, kracht“ ist noch bis zum 25. Februar im VHS-Haus in Lich zu den Öffnungszeiten (Montag bis Freitung zwischen 8 und 20 Uhr) und während des Seminarbetriebes auch am Wochenende zu sehen.