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Landrätin Schneider erhielt in Berlin Auszeichnung zum audit „Familie und Beruf“

Audit Kreisverwaltung Gießen

Bildunterschrift:
Landrätin Anita Schneider erhielt aus der Hand von Peter Hintze (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) die Zertifikatsurkunde. (Foto: berufundfamilie gGmbH)

Landkreis übernimmt Vorreiterrolle

 

Landrätin Schneider erhielt in Berlin Auszeichnung zum audit „Familie und Beruf“

 

265 Arbeitgeber haben am Mittwoch (25-05-2011) in Berlin die Zertifikate zum „audit berufundfamilie“ beziehungsweise zum „audit familiengerechte hochschule“ erhalten. Überreicht wurden sie von Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gemeinsam mit Peter Hintze, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder und Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler tragen gemeinsam die Schirmherrschaft für das „audit der berufundfamilie gGmbH“ – einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Für die Kreisverwaltung wurde das Zertifikat an Landrätin Anita Schneider im Rahmen eines Festaktes überreicht.

 

„Die Arbeitsbedingungen in Deutschland müssen so gestaltet werden, dass Menschen Verantwortung für ihre Familie übernehmen können, ohne dafür beruflich kürzer treten zu müssen“, unterstrich Staatssekretär Hecken. „Dazu gehören Angebote zur Kinderbetreuung genauso wie flexible Arbeitszeitmodelle oder die Familienpflegezeit für Beschäftigte, die Angehörige pflegen wollen. Die auditierten Arbeitgeber machen vor, wie eine familienfreundliche Unternehmenskultur funktionieren kann. Wichtig ist, dass nun möglichst viele nachziehen.“

 

„Der demographische Wandel hat den deutschen Arbeitsmarkt längst erreicht“, stellte Staatssekretär Hintze fest. „Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs müssen wird jetzt die Weichen richtig stellen. Dann können Einkommen und Wohlstand weiter wachsen, auch wenn unsere Bevölkerungszahlen zurückgehen. Wir müssen mehr Menschen ermöglichen, aktiv am Erwerbsleben teilzunehmen. Eine familienbewusste Personalpolitik ist dafür eine wichtige Voraussetzung“, so Hintze weiter.

 

Zu den 265 ausgezeichneten Arbeitgebern gehören 134 Unternehmen, 97 Institutionen und 34 Hochschulen. Erstmals zertifiziert wurden 142 Arbeitgeber, 98 nahmen das Zertifikat zum zweiten Mal und 19 zum dritten Mal entgegen. Die Kreisverwaltung hat sich erstmals dem Auditierungsprozess unterzogen. Die Vorbereitungen in der Kreisverwaltung begannen bereits im Mai 2010 und mündeten in einer Zielvereinbarung mit der „berufundfamilie gGmbH“, die Zertifikatsgeber ist.

 

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für die Kreisverwaltung Gießen ein wichtiger Baustein, um die Zufriedenheit und Motivation und damit die Produktivität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern.

 

„Mit dem audit berufundfamilie wollen wir die vorliegenden Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie optimieren und ausbauen. Es soll dazu beitragen, die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten wie der gesamten Verwaltung zu erhalten. Dazu ist wichtig, dass unsere Führungskräfte Verantwortung für die Thematik tragen und dass wir über den Aufbau einer internen und externen Kommunikation Transparenz über unsere familienbewusste Personalpolitik schaffen. Das ‚audit berufundfamilie’ soll uns dabei unterstützen, auch zukünftig ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, so dass es uns gelingt, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, Perspektiven aus den eigenen Reihen zu entwickeln und an die Kreisverwaltung zu binden“ erläuterte Landrätin Schneider kürzlich bereits bei einem Treffen der Führungskräfte.

 

In der Zielvereinbarung verpflichtet sich die Kreisverwaltung innerhalb der nächsten drei Jahre insgesamt mindestens 14 Ziele mit ungefähr 80 Einzelmaßnahmen umzusetzen. All diese Maßnahmen haben das Ziel, Beschäftigung in der Kreisverwaltung mit der Familie soweit als möglich in Einklang zu bringen. Der Familienbegriff in der Kreisverwaltung ist hierbei sehr weit gefasst. Er orientiere sich, so Landrätin Schneider, an der Lebenswirklichkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Familie ist für uns da, wo man dauerhaft eine soziale Verantwortung für Menschen übernommen hat, insbesondere im Hinblick auf Erziehung, Betreuung und Pflege.“

 

Gerade durch die demografische Entwicklung werde in den kommenden Jahren der Pflege in den Familien eine größere Bedeutung zukommen. „Hier wollen wir gemeinsam mit Anderen erste Angebote an die Beschäftigen machen“, konkretisierte Schneider. Ein Angebot der Teilnahme im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit solle dann auch an die Städte und Gemeinden im Landkreis gehen. Die Projektleitung liegt in der Kreisverwaltung Gießen in den Händen von Thomas Knoblauch, der als Leiter des Fachdienstes Personal- und Organisationsentwicklung für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich ist. Er ist gleichzeitig Ansprechpartner für die Beschäftigten in allen Fragen rund um das Thema „berufundfamilie“.

 

Insgesamt profitieren zurzeit rund 1,5 Millionen Beschäftigte und 1,2 Millionen Studierende vom audit bei insgesamt fast 1.000 Zertifikatsträgern, denn: Arbeitgeber, die die familienbewusste Personalpolitik als strategisches Instrument nutzen, stehen besser da als der Bundesdurchschnitt. Dies zeigt ein Vergleich der zertifizierten Unternehmen mit den bundesweiten Daten aus dem „Unternehmensmonitor 2010“.

 

Danach bieten im Durchschnitt 2,4 Prozent der deutschen Arbeitgeber eine betriebliche Kinderbetreuung an. Unter den zertifizierten sind es 29 Prozent. 94 Prozent der auditierten Unternehmen bieten Programme an, die während der Elternzeit, den Kontakt zwischen Beschäftigten und Unternehmen aufrechterhalten und so den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern (27 Prozent im Bundesdurchschnitt). Zudem ist für nahezu 100 Prozent der auditierten Arbeitgeber Teilzeit selbstverständlich (80 Prozent im Bundesdurchschnitt). Weniger als ein Viertel der Unternehmen in Deutschland bieten Telearbeit an, unter den Zertifikatsträgern sind es fast zwei Drittel.

 

„Eine erfolgreiche familienbewusste Personalpolitik muss flexibel sein und sich auch Themen zuwenden, die über die klassischen Aspekte Frauen und Kinderbetreuung hinausgehen“, betonte Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung anlässlich der Zertifikatsverleihung „Männer haben ebenso individuelle familiäre Bedürfnisse wie Frauen. Führungskräfte wollen Verantwortung für Ergebnisse, Kundenzufriedenheit, Mitarbeiter und die eigene Familie übernehmen.

 

Mit dem demographischen Wandel rückt die Pflege von Angehörigen zunehmend in den Blickpunkt. Die Innovationskraft der auditierten Arbeitgeber wird bei diesen Zukunftsthemen besonders deutlich.“ 44 Prozent aller Zertifikatsträger unterstützen ihre Beschäftigten mit Pflegediensten oder Kurzzeitpflege; der Bundesdurchschnitt liegt bei gerade einmal acht Prozent. Die Rolle der Väter ist für die zertifizierten Arbeitgeber von entscheidender Bedeutung: Nahezu jeder zweite macht hier spezielle Angebote, im Vergleich zu gerade mal jedem sechsten Unternehmen im Bundesdurchschnitt.

 

Von den Führungskräften hängt in der Regel die praktische Durchsetzbarkeit familienbewusster Maßnahmenkataloge ab. Daher ist ihre Sensibilisierung für das Thema Vereinbarkeit besonders wichtig. Bei 93 Prozent der zertifizierten Arbeitgeber werden bereits entsprechende Führungskräfteseminare durchgeführt. Auch in der Kreisverwaltung sieht Landrätin Schneider hier noch Handlungsbedarf, der über geplante Qualifikationsangebote für die Führungskräfte in Zukunft angepackt wird.

 

Das audit berufundfamilie ist eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat 1998 die berufundfamilie gGmbH gegründet, die seitdem alle Aktivitäten der Stiftung im gleichnamigen Themenfeld bündelt. Das Bundesfamilienministerium fördert die berufundfamilie gGmbH aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft – BDA, BDI, DIHK und ZDH – empfehlen das audit. Die berufundfamilie gGmbH besitzt die europaweiten Markenrechte am audit. Sie entscheidet über die Vergabe der audit-Zertifikate. Zertifikate zum audit berufundfamilie wurden erstmals 1999 vergeben.

 

Seit 2002 wird das audit auch Hochschulen unter dem Titel „audit familiengerechte hochschule“ angeboten. Einsetzbar in allen Branchen und Betriebsgrößen, erfasst das audit den Status quo der bereits angebotenen Maßnahmen zur besseren Balance von Beruf und Familie, entwickelt systematisch das betriebsindividuelle Potenzial und sorgt mit verbindlichen Zielvereinbarungen dafür, dass Familienbewusstsein in der Unternehmenskultur verankert wird. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Prozesses erhalten die Unternehmen und Institutionen das „Zertifikat zum audit berufundfamilie“.

 

Die praktische Umsetzung wird jährlich von der berufundfamilie gGmbH überprüft. Nach drei Jahren können im Rahmen einer Re-Auditierung weiterführende Ziele vereinbart werden. Nur bei erfolgreicher Re-Auditierung darf das Unternehmen das „Zertifikat zum audit berufundfamilie“ unverändert weiterführen.

 

Die Kreisverwaltung Gießen ist in der kommunalen Familie öffentlicher Verwaltungen in Mittelhessen jetzt Vorreiter und hat das Ziel, nicht nur in den nächsten drei Jahren, sondern auch darüber hinaus ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein.