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   Kreis engagiert sich für erneuerbare Energie

Kreisbeigeordneter Fricke + KEM-Geschäftsführer Momper wollen sich für hessenweite Modellregion einsetzen

 

„Der Kreistag setzt sich das Ziel, den Landkreis Gießen zu einer Modellregion erneuerbare Energien zu entwickeln. Dabei soll die Steigerung des Anteiles energiewirtschaftlich sinnvoller erneuerbarer Energiequellen sowie Energieeinsparung und Steigerung der Energieeffizienz im Mittelpunkt stehen.“ Mit dieser politischen Zielrichtung haben die vier Kreistagsfraktionen einen parteiübergreifenden Antrag unter der Überschrift „Modellregion erneuerbare Energien“ in den Geschäftsgang gebracht. Der Kreisbeigeordnete Siegfried Fricke und der KEM-Geschäftsführer Peter Momper haben das kommunalpolitische Engagement zum Anlass genommen, um am Dienstag (28-11-2006) während eines Pressegespräches die Hintergründe dieser Aktivitäten zu erläutern.

 

Nach Angaben von Fricke soll der Kreisausschuss (KA) dadurch beauftragt werden, gemeinsam mit der Universitätsstadt Gießen, dem Kreistag (KT) ein kommunales Energiekonzept für erneuerbare Energien, Energieeinsparung und die Steigerung der Energieeffizienz zur Beschlussfassung vorzulegen. Eingebunden werden sollen dabei technische Fachkräfte in den Kommunen, die Wissenschaft, das Gewerbe und die Agrarwirtschaft.

 

Es handelt sich dabei also nach Auskunft von Fricke um die Grundlagen weiterführender Aktivitäten in Sachen Ökonomie und Ökologie. Wie die Biomasse-Studie des Landes Hessen ausweise, bestehe auch für den Landkreis Gießen ein erhebliches Potenzial in der Nutzung der noch brachliegenden Ressourcen an nachwachsenden Rohstoffen. Mit Initiative zur Förderung erneuerbarer Energien mit dem Schwerpunkt auf der Biomasse befinde sich die Politik im Landkreis deshalb auf einem guten Wege. Immerhin liege das Biomasse-Potenzial kreisweit bei cirka 580.000 Megawattstunden pro Jahr. In Heizöläquivalenten ausgedrückt könne diese Menge Biomasse 54 Millionen Liter Heizöl pro Jahr ersetzen.

 

„Wir werden zukünftig im Rahmen unserer baulichen Investitionen bei den 58 kreiseigenen Schulen nicht nur dem Thema Energieeffizienz einen besonderen Stellenwert einräumen, sondern überall dort, wo Heizanlagen erneuert werden müssen, prüfen, ob der Einbau von Biomasse-Heizwerken sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist“, hob KB Fricke hervor. Damit übernehme der Landkreis eine wichtige Vorbildfunktion für alle, die sich im öffentlichen und privaten Sektor mit dieser Thematik beschäftigen.

 

Einen grossen Anteil der Biomasse umfasst dabei die Holzfraktion. Deshalb haben die Kreistagsfraktionen die Klimaschutz- und Energieagentur Mittelhessen (KEM) beauftragt, eine Bewerbung an der Ausschreibung des Leuchtturm-Projektes Bioregio der hessischen Landesregierung mit dem eingangs zitierten Antrag vorzubereiten.

 

Ziel dieses Leuchtturm-Projektes Bioregio ist die systematische Entwicklung von Holzhackschnitzel- und Pellett-Heizanlagen zunächst in den Liegenschaften des Landkreises Gießen beziehungsweise der beteiligten Kommunen. Als Kooperationspartner haben sich unter anderem bereits Hessen-Forst, fünf Kommunen, vier regionale Unternehmen und die Energieversorger bereit erklärt, diese Initiative in den kommenden beiden Jahren zu unterstützen und mitzutragen.

 

Die KEM soll weiterhin beauftragt worden, diese Initiative zu koordinieren und eine entsprechende projektorientierte Geschäftsstelle zu installieren. Weitere konkrete Aktivitäten zur Ausweitung dieser Initiative für den Bereich der Energiepflanzen, beispielsweise vom Anbau schnell wachsender Hölzer über die Produktion von Biogas bis zur Nutzung von Energiegetreide für die Wärmeerzeugung, werden durch die KEM im kommenden Jahr folgen. „Eine enge Kooperation wird von der KEM mit der interessierten Landwirtschaft angestrebt“, erklärte Momper, der gleichzeitig prognostizierte, dass „hier ein wirtschaftlich interessantes Aktionsfeld für regionale landwirtschaftliche Betriebe liegt“.

 

Natürlich hoffen Fricke und Momper auf eine positive Entscheidung der Landesregierung zur Anerkennung des Landkreises Gießen als Modellregion Bioregio. Unabhängig davon bekräftigen beide, dass mit der gestarteten Initiative das Thema erneuerbare Energien auf der mittelhessischen Agenda bleiben werde.