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   "Väter sollen mehr Zeit mit ihren Jungen verbringen"

Jungen der Klassenstufe 7 Gesamtschule Busecker Tal

Jungen der Klassenstufe 7 der Gesamtschule

„Busecker Tal“ diskutieren engagiert mit

Wolfgang Schreiner-Weiß (rechts) von

„Pro Familia Gießen“) über ihr Rollenbild.

(Foto: Kreisverwaltung Gießen:

Patrick J. Schmeißer)

Gespräche mit Fachleuten über Erwartungen an Männer, Sexualität und Verhütung

 

Kurz und knackig waren viele Antworten, auch interessant und aufschlussreich: „hat Spaß gemacht“, „besser als Schule“, „mit Mädchen kann man so was nicht bereden“, „viel gelernt“, „war locker“. So äußerten sich einige der Jungen, die sich kürzlich am dem Projekt „Junge, Junge...!“, das in diesem Frühjahr bereits zum zweiten Male stattfand, beteiligt hatten. Das Jugendbildungswerk (JBW) des Landkreises Gießen hatte diese Veranstaltung nach Angaben von Jugenddezernentin Dietlinde Elies in Zusammenarbeit mit „Pro Familia Gießen“ vorbereitet und dem männlichen Nachwuchs angeboten. Diesmal ging man vor Ort in die Klassenstufe 7 der Wettenbergschule und der Gesamtschule Busecker Tal. Insgesamt beteiligten sich 22 Jungen zwischen 13 und 15 Jahren.

 

Zum Thema Rollenbilder fand Wolfgang Schreiner-Weiß von Pro Familia auffällig, „dass fast alle Jungen angaben, nicht so werden zu wollen wie ihre Väter.“ Sie monierten, dass diese viel zu wenig Zeit mit ihnen verbringen würden. Zudem war es schwer für die werdenden Männer, Vorbilder benennen zu können. Kreis-Jugendbildungsreferent Patrick Schmeißer erklärte dazu: „Das zeigt, dass die Jungs in der Schwierigkeit stecken, eine Geschlechtsidentität zu entwickeln, ohne konkrete männliche Rollenvorbilder zu haben.“ Auch bei dem Thema Aufklärung entzögen sich viele Väter ihrer Verantwortung, so dass der größte Teil der männlichen Jugendlichen niemanden habe, mit dem er über seine Gefühle sprechen und dem er seine Fragen stellen kann.

 

Wie wichtig dieses Thema im Jugendalter ist, zeigte sich auch daran, dass die Teilnehmer allesamt sehr engagiert waren und sich am Ende bei den erwachsenen „Experten“ bedankten. Thorsten Gärber von Pro Familia: „Die Jungs zeigten sich interessiert, arbeiteten aufmerksam mit und hatten Spaß an dem Thema.“

 

Die Veranstaltung war in zwei Blöcken vormittags von 8 bis 11.30 Uhr realisiert worden. Im ersten Teil ging es um Identität von Jungen und dem Bild vom Mannsein. Dabei wurde Fragen behandelt wie „Was müssen Jungen und Männer haben?“, „Wie müssen sie sein?“, „Welche Vor- und Nachteile hat es, ein Junge zu sein?“, „Was unterscheidet Jungs von Mädchen?“ Im zweiten Teil wurden die Themen Sexualität und Verhütung besprochen.

 

Zum Projekthintergrund erläuterte Elies, dass der männliche Nachwuchs sozialisationstheoretisch betrachtet aufgrund von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen zu Jungen gemacht würde. Jungen fehlten heute im Alltag häufig konkrete männliche Rollenvorbilder, die jedoch wichtig seien zur Erlangung einer Geschlechtsidentität. Gerade bei dem Thema Sexualität stelle sich heraus, dass es Jungen oft an erwachsenen Männern mangele, denen sie intime Fragen stellen könnten. So wurde bei einer Befragung der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen deutlich, bei der fast doppelt so viele Jungen angaben, keine Vertrauensperson zu haben.

 

Das Kreis-Jugendbildungswerk gab mit dieser Veranstaltung Jungen die Möglichkeit, sich mit dem Themen „Geschlechterrolle“, „Erwartungen an Jungen“ und „Sexualität“ ohne Peinlichkeiten auseinander zu setzen. Die inhaltliche Vorbereitung oblag Wolfgang Schreiner-Weiß und Thorsten Gärber von Pro Familia Gießen sowie Patrick J. Schmeißer vom Jugendbildungswerk. Koordiniert und begleitet wurde die Veranstaltung seitens der Schulen von Brigitte Meckel-Jung (Busecker Tal) und Achim Schwarz-Tuchscherer (Wettenbergschule). Für die Gesamtkoordination war Patrick J. Schmeißer vom JBW verantwortlich.