Schmallenberg-Virus in zwei Schafherden im Landkreis nachgewiesen
Landkreis Gießen. Das Schmallenberg-Virus ist erstmalig bei zwei neugeborenen Schafen im Landkreis Gießen nachgewiesen worden. Auch negativ getestete Lämmer zeigen Missbildungen, die vermutlich durch das Virus verursacht worden sind. Da die Infektionen aber schon geraume Zeit zurückliegen, ist anscheinend nicht bei allen betroffenen Lämmern und Kälbern ein Nachweis möglich, meint Amtstierärztin Dr. Stefanie Graff, die beim Landkreis Gießen für die Tierseuchenbekämpfung zuständig ist.
Bereits seit zwei Wochen melden sich Schaf- und Ziegenhalter beim Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreis Gießen und berichten von den für das Schmallenberg-Virus typischen Missbildungen bei neugeborenen Lämmern, die Schwergeburten verursachen. Bei vermehrtem Auftreten von Fehlbildungen und Totgeburten besteht der Anfangsverdacht einer Infektion mit dem sogenannten Schmallenberg-Virus (SBV).
„Damit das Ausmaß der Krankheit erfasst werden kann, ist es notwendig, dass sich betroffene Schaf-, Ziegen- und Rinderhalter bei uns melden“, erklärt Stefanie Graff. (Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Gießen, Tel. 06421-93906200, E-Mail: poststelle.avv@lkgi.de, Fax 0641-93906214) Zudem sollten die toten Lämmer beim Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (Schubertstraße 60) in Gießen zur Untersuchung gebracht werden, ergänzt sie. „Nur so können wir einen Überblick über das Krankheitsgeschehen im Landkreis Gießen bekommen“, sagt auch der Erste Kreisbeigeordnete Dirk Oßwald als zuständiger Verbraucherschutz-Dezernent und appelliert an die Unterstützung der Viehhalter.
Die Verbreitung in Hessen kann auf der Internetseite des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (www.hmuelv.hessen.de) unter der Rubrik Verbraucher- und Tierschutz eingesehen werden. In mehreren Bundesländern wurde mittlerweile im Zusammenhang mit diesen Schwergeburten das Schmallenberg-Virus nachgewiesen oder sprechen Missbildungen für eine Infektion. Das Virus wurde Ende des vergangenen Jahres in Deutschland erstmalig bei einem Rind aus Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen) isoliert. Es wird deshalb vorläufig als Schmallenberg-Virus bezeichnet.
Die Verbreitung bei Schafen wurde jetzt erst offensichtlich, da die Ablammsaison begonnen hat. Nach einer Mitteilung des Friedrich-Löffler-Instituts sind die Missbildungen eine Spätfolge der Infektion zu einem frühen Stadium der Trächtigkeit im Sommer/Herbst 2011. Der Erreger wird durch Gnitzen, also winzig kleine Stechmücken, übertragen. Es gibt keine Anzeige- oder Bekämpfungspflicht, weil die Krankheit zuvor in Europa noch nicht aufgetreten ist. Gezielte Vorsichts- oder Bekämpfungsmaßnahmen können nicht eingeleitet werden, weil der Infektionsweg und die Ausbreitung des Erregers noch nicht vollständig bekannt sind.








