Masern-Impfung schützt vor tödlich verlaufender Hirnentzündung
Landkreis Gießen. „Masern sind höchst gefährlich. Sie können von schweren Mittelohrentzündungen bis zu Lungenentzündungen zahlreiche schwere Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder unbedingt rechtzeitig gegen Masern impfen lassen.“ Mit diesem eindringlichen Appell reagiert der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Gesundheitsdezernent, Dirk Oßwald, auf Medienberichte der vergangenen Tage, in denen über ein 13-jähriges Mädchen berichtet wurde, das kürzlich an einer seltenen, chronischen Entzündung des Gehirns (der sogenannten SSPE) infolge einer Masern-Erkrankung gestorben ist. Bei etwa jedem 1000. Masern-Erkrankten tritt die SSPE zwischen vier und zehn Jahren nach der eigentlichen Maserninfektion auf. Fast immer verläuft die Krankheit tödlich.
Wie der Stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Jörg Bremer, dazu mitteilt, komme es bei etwa jeder vierten Masernerkrankung zu Hirnhaut-, Mittelohr- oder Lungenentzündungen und dadurch nicht selten zu bleibenden Schäden. Zudem gelten die Masern zu Unrecht als Kinderkrankheit, Erwachsene können nämlich ebenso betroffen sein, warnt der Arzt. In Hessen wie auch bundesweit haben die Zahlen von gemeldeten Maserninfektionen in diesem Jahr deutlich zugenommen.
Ein erklärtes Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist deshalb die Eliminierung der Krankheit. Dazu reiche eine Immunisierung der Bevölkerung zu 95 Prozent. Doch die Impfmotivation der Deutschen habe seit der umstrittenen Schweinegrippe-Impfung generell nachgelassen. „Zwar sind derzeit in Deutschland etwa 95 Prozent der Kinder mit der ersten Impfung gegen Masern versorgt. Doch die für den zuverlässigen Schutz entscheidende zweite Impfung wird bei nur circa 90 Prozent der Heranwachsenden vorgenommen“ erklärt Dr. Bremer. Im Landkreis Gießen liege der Anteil der vollständig geimpften Kinder mit rund 92 Prozent dennoch im hessenweiten Schnitt.
Seinen Ausführungen zufolge kann eine einmal voll ausgebrochene Masernerkrankung nicht mehr ursächlich behandelt werden. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder unbedingt rechtzeitig gegen Masern impfen lassen. In der Regel impfen Kinder- und Jugendärzte im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen. Die Immunisierung ist dann vor dem zweiten Lebensjahr abgeschlossen. Grundsätzlich kann die Impfung aber in jedem Lebensalter verabreicht werden und sollte möglichst rasch nachgeholt werden, falls sie versäumt wurde.
Auch Erwachsene und Eltern sollten ihren Impfschutz überprüfen, denn Masern im Erwachsenenalter verlaufen meist besonders schlimm, weiß Dr. Bremer. Falls jemand nicht sicher ist, ob er gegen Masern geimpft ist, sollte er sich in jedem Fall impfen lassen. „Keine Angst: Ein so genanntes "Überimpfen" ist nicht gefährlich. Denn hat man Masern bereits durchgemacht oder wurde bereits geimpft, neutralisieren die im Körper vorhandenen Antikörper das im Impfstoff enthaltene abgeschwächte Virus“, erläutert der Stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes. Die Kosten für diese Impfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts weisen in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass alle weltweit untersuchten SSPE-Fälle auf eine Infektion mit dem Masernwildvirus zurückzuführen sind und kein Fall bekannt ist, bei dem eine Impfung eine SSPE nach sich zog. „Dies verdeutlicht die Schutzwirkung und die Notwendigkeit einer rechtzeitig durchgeführten zweimaligen Impfung von Kindern ab dem elften Lebensmonat und die Notwendigkeit einer ausreichenden Immunität aller Personen im näheren Umfeld von Kindern“, betont Gesundheitsdezernent Oßwald abschließend.
Auskunft zum Thema Impfung und Gesundheit erteilt Dr. Jörg Bremer im Gesundheitsamt, Telefon: 0641 9390 1417, Mail: joerg.bremer@lkgi.de








