Themenüberblick
Sie befinden sich hier: Home / Aktuelles / News

Oßwald: „Sozialarbeit an Schulen ein Erfolgsmodell auf ganzer Linie“

Sozialarbeit an Schulen

Seit einem Jahr sind 15 Sozialarbeiter für den Landkreis an Gesamt- und Förderschulen tätig – Zwischenbilanz kommt im Juni in die Gremien – Nächste Ausbaustufe  Ausweitung auf Grundschule

 

„Es gab keine Eskalation mehr, wir mussten keinen Schüler von der Schule verweisen und konnten 2009 alle Schüler mit einem Abschluss entlassen.“ Wolfgang Hölzer, Schulleiter der Friedrich-Magnus-Gesamtschule in Laubach, zog im Gespräch mit Erstem Kreisbeigeordneten und Jugenddezernent Dirk Oßwald (FW) dieser Tage eine durchweg positive Zwischenbilanz der „Sozialarbeit an Schulen“. Oßwald hatte sich bei einem Ortstermin an der Friedrich-Magnus-Gesamtschule in Laubach zusammen mit Bürgermeister Peter Klug und Ralf Finthammer vom Träger Internationaler Bund (IB) über den Stand des kreisweiten Projekts „Sozialarbeit an Schulen“ informiert. Die Laubacher Gesamtschule war im November 2008 die erste der 15 Gesamt- und Förderschulen, an der der Landkreis – mit hessenweiter Pilotfunktion – flächendeckend Sozialarbeiter einsetzte. Im Juni will man in den politischen Gremien Bilanz ziehen. Grund für Dirk Oßwald, im Vorfeld das Gespräch mit den Akteuren vor Ort - Schulleitung, Träger, Bürgermeister und dem Laubacher Sozialarbeiter Manfred Purr – zu suchen.
 
Mittlerweile sind an allen 15 weiterführenden Schulen und Förderschulen im Landkreis Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen tätig. Schulleiter Hölzer und Sozialarbeiter Purr stellten Dirk Oßwald und Peter Klug die Schwerpunkte und Erfolge der Sozialarbeit an der Laubacher Gesamtschule vor. Der IB ist – wie Diakonisches Werk, Caritas und Arbeiterwohlfahrt - einer der vier externen Träger, die im Auftrag des Kreises die Sozialarbeit an Schulen umsetzen.

 

“Sozialarbeit an Schulen“ hat sich hier hervorragend entwickelt“, berichtete Hölzer im Gespräch mit Oßwald. „Das Angebot hat sich bestens in die Schulgemeinde integriert und ist eng verknüpft mit weiteren Angeboten im Bereich der Jugend- und Erziehungshilfe, wie beispielsweise dem Trainingsraum, der Abteilung für Erziehungshilfe, der sozialen Gruppenarbeit des Jugendamts und der pädagogischen Nachmittagsbetreuung“, ergänzte Manfred Purr. „Auffälligkeiten bei Schülern werden so schon frühzeitig in der fünften Klasse erkannt. Wir können dadurch geeignete Maßnahmen wie Einzelgespräche, Termine mit und bei den Eltern, Gruppenangebote in der Schule oder extern oder Erziehungshilfen des Jugendamtes viel schneller einleiten“, berichtete de Sozialarbeiter.

 

An der Friedrich-Magnus-Gesamtschule finden Projekte der Sozialarbeit sowohl im Vormittags- als auch im Nachmittagsbereich statt. So werden beispielsweise mit Hauptschülern berufliche Perspektiven erarbeitet, soziales Lernen und verschiedene Projekttage angeboten. Ein Modul in allen Förderstufenklassen des fünften Schuljahres ist „Soziales Lernen“, wobei der respektvolle Umgang miteinander im Mittelpunkt steht. „Die Sozialarbeit ist dabei eng vernetzt mit dem Jugendamt des Kreises und weiteren sozialen Einrichtungen, um bei spürbaren Problemen einzelner Schüler oder Familie frühzeitig zielgerichtete Hilfe anbieten und einleiten zu können“, berichtete Ralf Finthammer vom Träger IB.

 

Laubachs Bürgermeister Peter Klug bestätigte die positiv Wirkung aus Sicht der Stadt Laubach, die seit vielen Jahren mit dem IB als Träger des Jugendzentrums, der Schülerbetreuung an der Grundschule und von Beschäftigungsprojekten für jugendliche Arbeitslose zusammen arbeitet. „Für die nicht einfacher werdenden soziale Struktur in Laubach ist die Sozialarbeit an der Gesamtschule ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt, weil fast alle Jugendlichen hier zusammenkommen“, sagte Klug.

 

Auch Schulleiter Hölzer zog ein positives Fazit: „Es ist deutlich spürbar, dass durch die sozialen Angebote, insbesondere Sozialarbeit an Schulen, eine positive Entwicklung stattfindet. Wir müssen keine Schulverweise mehr erteilen und im letzten Jahr musste kein Schüler, keine Schülerin die Gesamtschule ohne Schulabschluss verlassen! Dies wird voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder der Fall sein“, machte Hölzer deutlich.

 

„Solche Erfolge belegen, dass sich die hohen Investitionen des Kreises von 700.000 Euro für Personalkosten und 100.000 Euro für Sachkosten im Jahr lohnen“, machte Oßwald deutlich, der als Kämmerer zugleich für die Kreisfinanzen verantwortlich ist. „Wir sehen uns bei diesen Aufgaben einerseits in der Pflicht als Jugendhilfeträger, andererseits betrachten wir sie aber auch als Konsolidierungsbeitrag“, machte er deutlich, „denn wenn Probleme auffälliger junger Menschen frühzeitig erkannt und gelindert werden, schlagen sie später nicht bei der Jugendhilfe oder im Strafvollzug doppelt und dreifach so teuer zu Buche.“ Ein Platz im Jugendheim beispielsweise kostet den Landkreis bis zu 6.000 Euro pro Monat. „Jährlich geben wir schon heute über zehn Millionen Euro für diese Erziehungshilfen aus – Tendenz seither stark steigend“, berichtete der Jugenddezernent.

 

Neben dem finanziellen Aspekt verweist Oßwald auch auf die sozialen Vorteile: „Auch benachteiligten Jugendlichen wird durch „Sozialarbeit an Schulen“ eine lückenlose Schullaufbahn und ein Schulabschluss ermöglicht, was sich positiv auf das spätere Berufsleben und die soziale Integration jedes Einzelnen auswirkt.“

 

Von allen Beteiligten des Gesprächs in der Laubacher Gesamtschule wurde es als sinnvoll erachtet, das Projekt der Sozialarbeit an Schulen konsequent weiter zu entwickeln. Dabei stehen zwei Maßnahmen im Focus: Einerseits will man den Personaleinsatz bei großen Gesamtschule wie der Theo-Koch-Schule in Grünberg mit rund 1800 Schülern überprüfen, andererseits die schrittweise Ausweitung auf Grundschulen angehen.


Denn: „Je früher auf auffälliges Verhalten geachtet wird, umso größer ist die Chance, etwas zu verändern, zumal der Zugang zu Kindern wie Eltern im Grundschulalter wesentlich einfacher ist“, wie Finthammer und Hölzer abschließend im Gespräch mit Oßwald betonten.
Ausführliches Thema wird die Sozialarbeit an Schulen im Jugendhilfeausschuss des Kreises am Donnerstag, 24. Juni, 16 Uhr, in der Kreisverwaltung am Riversplatz, sein. Dann werden auch Schulleiter, Träger und Sozialarbeit live über ihre Erfahrungen berichten.


Bildunterschrift (v.l.): Schulleiter Wolfgang Hölzer, Jugenddezernent Dirk Oßwald, Bürgermeister Peter Klug, Bereichsleiter Ralf Finthammer und Manfred Purr vom IB, seit November 2008 Sozialarbeit im Auftrag des Kreises an der Friedrich-Magnus-Gesamtschule (vorne).
Foto: Landkreis Gießen, Althaus.