Künstlerpaar aus Bettenhausen ergänzt mit einer Ausstellung zu Spuren der Zeit die Denkmalschutz-Fachtagung des Landkreises Gießen
Landkreis Gießen/Bettenhausen. Das Leben hinterlässt Spuren. Überall. Solche sichtbaren Zeichen des Alters und der Zeit regen das Bettenhausener Künstlerpaar Natascha Pranz und Matthes I. von Oberhessen an, die Unbeständigkeit der Welt in Szene zu setzen und zu thematisieren. Ihre Werke und Betrachtungen passen deswegen besonders gut zur Fachtagung „Denkmal“, die der Landkreis Gießen am Freitag und Samstag (28. und 29. 10. 2011) in Lollar ausrichtet, und wo auch ihre Kunst gezeigt wird.
Unter dem Projekttitel „Frauen in Bettenhausen“ schuf Natascha Pranz diverse Fotografien, die inspirierende Gemäuer und betagte Wände sozusagen mit Leben erfüllen, denn in den Hintergründen steckt mehr, als man zunächst ahnt. „Das ist meine Art, die Gebäude zu konservieren“, erklärt Natascha Pranz ihre Kunst. Ausgestellt an ausgedienten Scheunentoren statt an sterilen Museumsstellwänden kommen die Lichtbilder besonders wirkungsvoll und authentisch zur Geltung. Denn auch an diesen Türen sind die Spuren der Zeit nicht zu übersehen. Matthes I. von Oberhessen hat dieses „Zeittreibgut“, wie er selbst sagt, gesammelt, weil die Bauteile ihn faszinieren und weil sie selbst ihr ereignisreiches Dasein dokumentieren.
Daneben bringen die beiden auch Teile aus dem „Haus der vergessenen Träume“ mit, das vor einiger Zeit in Bettenhausen auf ein gelebtes Leben aufmerksam gemacht hat. Dazu gehört auch eine Klanginstallation, die das Gesehene untermalt. Mathes I. von Oberhessen wird seine bildhauerische Sicht auf Fachwerkbauten preis geben und dabei den Holznagel als besonderes Symbol nicht außen vor lassen. „Unsere Ausstellung kann eine Schnittstelle sein zwischen dem, was bei der Tagung sonst angeboten wird und dem, was dahinter steckt“, sagt er voller Freude auf anregende Gespräche.
Was am Freitag und Samstag „sonst so angeboten wird“, ist folgendes: Experten wollen Lust auf ein Leben im Denkmal wecken. Zwölf Referenten, darunter Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie des Landesamts für Denkmalpflege samt des Präsidenten, erklären, wie Denkmalschutz funktioniert, was geschützt ist und welche Rechte und Pflichten Eigentümer haben und wo sie Hilfe finden.
Fachvorträge, in denen praktische Beispiele erläutert werden, ergänzen das Programm. So berichtet zum Beispiel Wolfgang Wagner von seinen Erfahrungen, er saniert gerade das älteste Haus in Hungen. Auch Jens Kauer, der für die Instandsetzung seines Fachwerkhauses mit dem hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet wurde, wird Rede und Antwort stehen und verdeutlichen, dass es Spaß machen kann, ein Wohn-Denkmal fachgerecht zu modernisieren.
Über Möglichkeiten der finanziellen Förderung wird der Justitiar des Landesamtes für Denkmalpflege informieren. Inwieweit außerdem der Bereich der Dorferneuerung und Stadtsanierung bei einem Denkmal-Projekt behilflich sein kann, erklärt Architektin Anita Broghammer-Conrads. Da Fachwerkgebäude einen Großteil der Denkmäler im Landkreis Gießen ausmachen, wird während der Denkmalschutztagung auf den Fachwerkbau intensiv eingegangen. Architekt Jürgen Rust und Udo Sartorius als Spezialist für Lehmfachwerk sind hierbei die Experten.
Auch die energetische Ertüchtigung dieser Gebäude soll ein Themenschwerpunkt sein, über den Ingenieur Hinderk Hillebrands von der Initiative „Gießener Gebäudepass“ referieren wird. Gerwin Stein von der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege der Propstei Johannesberg Fulda berichtet über geeignete Materialien für Dämmung und Anstriche an Fachwerkbauten. Aber auch der Steinbau und die Sanierung von Natursteinmauern werden nicht zu kurz kommen. Diesen Bereich stellt Hans-Albrecht Riek vor, dessen Firma sich seit Jahren der Sanierung von Kloster Arnsburg verschieben hat.
Neben den informativen Vorträgen werden auch zahlreiche Handwerker und Händler vor Ort sein, und kompetent Auskunft geben. Als Partner der Veranstaltung ist die Kreishandwerkerschaft mit mehreren Gewerken vertreten. Mit Rat und Tat stehen die Profis und Aussteller den Besuchern zur Seite und stellen ihre Arbeiten und Baustoffe vor.
Die Fachtagung beginnt am Freitag um 10 Uhr, den ganzen Tag finden Vorträge und Vorführungen statt. Auch am Samstag wird um 10 Uhr geöffnet, an beiden Tagen schließt die Messe um 18 Uhr. Das komplette Vortragsprogramm auf der Website unter Aktuelles: www.lkgi.de









