Notfall-Medizin stiess in Buseck auf grosses Interesse: 30 Teilnehmer
Bildunterschrift(en):
Bild 1 und Bild 2:
Dem Fotografen stellten sich (von links nach rechts): Dr. Simon Little und Horst Jeckel aus der Kreisverwaltung sowie die Referenten Dr. Matthias Bayer (8. v. l.), Dr. Gabor Szalay (10. v. l.) und Prof. Dr. Manfred Kaps (14. v. l.) mit den Notärztinnen und Notärzten. (Foto: Kreisverwaltung Gießen: Mazlum Demir)
Zentrale, bereichspezifische Fortbildung
Neue notfallmedizinische Erkenntnisse und Verfahren standen kürzlich im Mittelpunkt einer zentralen Fortbildungsveranstaltung für Notärztinnen und Notärzte im Landkreis Gießen.
Im Auftrag von Landrätin Anita Schneider hatten dazu Dr. Simon Little (Ärztlicher Leiter „Rettungsdienst“) und Horst Jeckel, (Mitarbeiter des Sachgebietes „Rettungsdienst“) eingeladen. Der Termin stiess auf reges Interesse, denn es hatten sich 30 (!) notfallmedizinische Fachleute im Busecker Kulturzentrum eingefunden. Aktuelle, aber auch bereichsspezifische Themen für Notärztinnen und Notärzte im Rettungsdienst-Bereich Gießen standen auf der Tagesordnung. die auch praxisbezogene Übungen umfasste.
Zu Beginn der vierstündigen Veranstaltung referierte Dr. Gabor Szalay (Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen) über die neuen „Schockraumleitlinien“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und die Veränderungen bei der Erstversorgung mehrfach schwerverletzter Patienten.
Prof. Dr. Manfred Kaps, Direktor der Klinik für Neurologie im Universitätsklinikum Gießen und Marburg (Standort Gießen), stellte danach sehr eindrucksvoll die etablierte Schlaganfallversorgung in der Klinik dar. Er ging dabei unter anderem auf die Besonderheiten der richtigen Versorgung von Schlaganfallpatienten ein und stellte deutlich heraus, wie wichtig aufeinander abgestimmte Versorgungskomponenten sind, um den Notfallpatienten bei einem Schlaganfall bestmöglich versorgen zu können.
Aus diesem Grund haben die Rettungsdienste im Landkreis Gießen und im Landkreis Marburg-Biedenkopf gemeinsam mit den beteiligten Kliniken am Universitätsklinikum mit den beiden Standorten Gießen und Marburg, der Asklepios-Klinik in Bad Salzhausen und der Lahn-Dill-Klinik in Wetzlar ein einheitliches Versorgungskonzept gemeinsam verabschiedet, das neben einer einheitlichen, schnellen Versorgung der Schlaganfall-Patientenschaft auch die Klinikzuweisung optimiert.
Dr. Matthias Bayer, Notarzt und Standortleiter der Notarzteinsatzfahrzeuge in Lich und Grünberg, sprach zum Thema „Point of Care Analyse“. Mit diesem für den Rettungsdienst neuartigen Verfahren ist es möglich, aussagekräftige Laboruntersuchungen bereits am Notfallort ohne Zeitverlust durchzuführen und bereits vor der Klinik eine auf den Patienten abgestimmte Therapie einzuleiten.
Dr. Simon Little erläuterte die Aufgaben der “Technischen Einsatzleitung Rettungsdienst“ und in einem weiteren Vortrag stellte er das neue “NIDA Qualitätssicherungsprogramm“ vor. Die im Landkreis Gießen bereits etablierte elektronische Einsatzdatenerfassung ermöglicht nun die Kommunikation der beteiligten Rettungsmittel und der Zentralen Leitstelle des Landkreises. Hierdurch wird, wie vom Gesetzgeber gefordert, ein schlüssiges und kontinuierliches Qualitätsmanagement ermöglicht, wie es in noch keinem Rettungsdienstbereich in Deutschland bisher umgesetzt werden konnte.
Das inhaltsgleiche Veranstaltungsprogramm wird seitens des Landkreises insgesamt dreimal angeboten. Die beiden nächsten Termine sind für den 27. Oktober und 24. November 2010 am selben Ort vorgesehen. Die Teilnahme an einem dieser zur Auswahl stehenden Termine ist Voraussetzung für die Beteiligung am Notarztdienst im Rettungsdienstbereich Gießen. Die Veranstaltungen sind von der Landesärztekammer Hessen zertifiziert und werden daher auch als Pflichtfortbildung anerkannt.
Neben den theoretischen Anteilen konnten sich die Notfallmediziner aber auch praktisch weiterbilden. So bestand im Vorfeld dieser Veranstaltung die Möglichkeit, neue EKG-Defibrillatoren und Beatmungsgerätetechniken kennen zu lernen. Diese jeweils zweistündigen Einweisungen werden durchgeführt vom DRK-Rettungsdienst Mittelhessen und der Johanniter-Unfall-Hilfe, den beiden Partnern, die der Landkreis mit der Durchführung der Notfallversorgung beauftragt hat.
„Um die Erstversorgung von Notfallpatienten auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten oder sogar wo möglich noch zu verbessern, versuchen wir immer wieder, die Abläufe zu optimieren“, sagte Ulrich Monz, der Leiter des Fachbereichs „Sicherheit und Ordnung“ der Kreisverwaltung zu den Hauptgründen notwendiger stetiger Fortbildungen im Rettungsdienst.
Gießens Landrätin Schneider dankte als Dezernentin für den Rettungsdienst den zuständigen Beschäftigten der Kreisverwaltung für die Vorbereitung sowie den überaus kompetenten Referenten der Fortbildung: „Eine gut funktionierende Rettungskette kann für unsere Bürgerinnen und Bürger in Notfallsituationen lebensrettend sein. Insbesondere bei Unfällen oder plötzlichen lebensbedrohenden Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall ist es wichtig, dass der Einsatz von Rettungswagen, Notarzt bis hin zur Versorgung in der Klinik schnell, sicher und kompetent erfolgt.“ Mit ständiger Aus-, Fort- und Weiterbildung könne man dem Anspruch einer sich auf höchstem Niveau befindlichen rettungsdienstlichen Versorgung sicher gerecht werden. Abschliessend dankte Schneider den Notärztinnen und Notärzten für deren unermüdlichen und oftmals schwierigen Einsatz für in Not geratene Menschen.









