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Der öffentliche Dienst muss allen offenstehen

KVHS Böhmer 02.2012

Bildunterschrift:

Prof. Dr. Maria Böhmer (4.v.r.) hört zusammen mit (ab 2.v.l.) Programmbereichsleiter Werner Leipold, Landrätin Anita Schneider, dem Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit und Projektpatin Ursula Bouffier zu, was die Teilnehmerinnen über das Seminar „Deutsch als Unterrichtssprache“ berichten. Bild: Landkreis Gießen

Staatsministerin Maria Böhmer informiert sich in Kreisvolkshochschule über Modellprojekt „Deutsch als Unterrichtssprache“

 

Für Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer war ihr Besuch in der Kreisvolkshochschule (KVHS) ein Signal: „Wir müssen die Botschaft senden: Der öffentliche Dienst muss allen offenstehen, unabhängig vom Pass.“ Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung kam nach Lich, um sich über das dort stattfindende Seminar „Deutsch als Unterrichtssprache“ zu informieren. In Kooperation mit dem Amt für Lehrerfortbildung (AfL) unterstützt das Modellprojekt seit Anfang 2010 Lehrkräfte mit Migrationshintergrund bei der Vorbereitung auf eine Sprachprüfung, die abgelegt werden muss, um in den Landesdienst übernommen zu werden. In Anwesenheit von Landrätin Anita Schneider, des Bundesabgeordneten Rüdiger Veit und Ursula Bouffier als Patin demonstrierten die überwiegend weiblichen Teilnehmerinnen mit viel Schwung, was das Vorzeigeprojekt auszeichnet.

 

„Das ist ein Thema, das ich für sehr wichtig erachte“, sagte Landrätin Anita Schneider in ihrem Grußwort. Dabei lobte sie ausdrücklich Dr. Marieanne Ebsen-Lenz (KVHS-Leiterin), Werner Leipold (Programmbereichsleiter) und Heidelies Bierbach-Müller (Leiterin des Pilotprojekts) für das im eigenen Haus entwickelte Angebot. AfL-Direktor Frank Sauerland erläuterte die Schwierigkeit für Pädagogen aus dem Ausland. „Vor allem in Grundschulen muss die Sprachkompetenz der Lehrkräfte exzellent sein“, sagte er. Deshalb habe es sich das AfL zur Aufgabe gemacht, „möglichst kompakt und umfassend diese Kenntnisse zu vermitteln“. Der Erfolg des Pilotprojekts spricht für sich: 90 Prozent der Teilnehmer bestehen die anschließenden Prüfungen.

 

Lebhaft berichteten die Anwesenden von ihren unterschiedlichen Wurzeln, die in dem Seminar jedoch keine Rolle spielen. Denn das Ziel ist dasselbe: Alle, die hier lernen, wollen gute Lehrer in Deutschland werden. Leena-Liisa Pirhonen-Kornhauser kommt ursprünglich aus Finnland und lebt jetzt in Dietzenbach. Sie unterrichtet die Fächer Musik und Englisch für Gymnasium. Ihre Deutschprüfung hat sie bereits bestanden. „Ich bin hier hergekommen, weil es die beste Möglichkeit ist, die deutsche Sprache perfekt zu lernen“, sagte die dynamische Lehrerin, die zum Schluss am Klavier mit allen anderen den Gästen ein Ständchen sang.

 

Maria Böhmer ließ sich von dem Schwung der Berichterstattenden sichtlich begeistern („Das hier ist eine Pioniererfahrung“) und fragte gezielt nach, wenn sie etwas besonders interessierte. „Oft scheitert es ja an den Sprachprüfungen“, wusste die Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin um die Schwierigkeiten. Auf diese bereitet das neuntägige Seminar intensiv vor. Die Lehrerinnen und Lehrer brächten nicht nur berufliche Erfahrung mit, sondern auch eine hohe sprachliche Kompetenz aus ihrem Heimatland, sagte Maria Böhmer.

 

Ausländischen Lehrkräften wird der Einstieg in das deutsche Bildungssystem nicht leicht gemacht. So hat jedes Bundesland andere Voraussetzungen für die Anerkennung von Berufsabschlüssen aus anderen Ländern. Formalitäten erschweren die Bemühungen der möglichen Bewerberinnen und Bewerber. Dr. Erika Divéky stammt aus Ungarn, lebt bei Bad Vilbel und ist Lehrerin für Deutsch sowie Geografie. Bis sie den Weg zum KVHS-Haus nach Lich fand, hatte sie viel Energie aufbringen müssen. „Es dauert seine Zeit, all die Details herauszubekommen“, berichtete sie.

 

Die Staatsministerin verwies auf Planungen des Gesetzgebers, den Zugang zu erleichtern: „Wir sehen alle die Notwendigkeit, dass die Zeit mehr als reif ist.“ Zugleich hob sie die integrativen Anstrengungen hervor: „Sich einbringen wollen, heißt ja auch: Sie gehören einfach dazu.“ Auf das Seminar aufmerksam gemacht worden war die Christdemokratin durch den Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit (SPD). Der wünschte sich, das Projekt möge seinen Pilotcharakter verlieren und möglichst schnell bundesweit Schule machen.

 

Ursula Bouffier hat als Frau des Ministerpräsidenten die Funktion einer Projektpatin übernommen. „Ich war von Anfang an von dem Konzept überzeugt“, sagte sie. Neben der Vermittlung von Sprachkenntnissen gebe es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Seminarende ein Netzwerk sowie auf Wunsch eine individuelle Unterstützung. Speziell bedankte sie sich bei Projektleiterin Heidelies Bierbach-Müller „für die engagierte Arbeit, die Sie hier leisten“.