Anerkennung in herausfordernden Zeiten
Bildunterschrift:
Kinopreis-Verleihung in Grünberg: Landrätin Anita Schneider (2.v.r.) überreicht die Förderpreise an die Traumstern-Betreiber Hans Gsänger (l.) und Edgar Langer sowie an Edith Weber von den Lichtspielen Grünberg. Bild: Landkreis Gießen
Kino Traumstern und Lichtspiele Grünberg erhalten Förderpreis „Kinokultur auf dem Lande“
Grünberg/Lich. Aus cineastischer Sicht war das abgelaufene Jahr ein attraktives. Auch die Besucherzahlen waren besser als noch 2010. Damals mussten die zwei Kinos im Landkreis, das Kino Traumstern in Lich und die Lichtspiele Grünberg, erhebliche Einbußen verbuchen. Aktuell beschäftigen sie sich mit zwei Fragen: Wie wird das derzeit am Berliner Platz in Gießen entstehende Großkino die regionale Kulturlandschaft verändern und wie ist die Umstellung auf digitale Projektionstechnik finanziell zu bewältigen? Über all das kam Landrätin Anita Schneider mit den Kinobetreibern ins Gespräch, als sie den mit 6120 Euro dotierten Förderpreis „Kinokultur auf dem Lande“ für 2011 an die Preisträger Edith Weber (Lichtspiele Grünberg) sowie Hans Gsänger und Edgar Langer (Traumstern) überreichte.
„Dies ist ein Anerkennungspreis für die Arbeit, die Sie für das Gießener Land leisten“, betonte Anita Schneider im Gespräch vor der Übergabe. Der Landkreis Gießen fördert mit dem Preis „die Verbreitung künstlerisch oder bildungspolitisch wertvoller Filme und honoriert den erfolgreichen Versuch, niveauvolle Unterhaltung mit gesellschaftspolitischer Bildungsarbeit zu verquicken, neben der Präsentation der Filme zu deren Diskussion anzuregen und Möglichkeiten zu kritischen Auseinandersetzungen zu schaffen", wie es in der Ausschreibung heißt. Die Förderung ist eine Anerkennung der Idee und deren Realisierung, anspruchsvolles Kino kommunikativ zu betreiben. Für das vergangene Jahr erhält das Traumstern 4080 Euro, 2040 Euro gehen an die Lichtspiele Grünberg mit ihren zwei Sälen Apollo und Turm. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass wir Kultur in der ländlichen Region vorhalten und Ihre Kinos bestimmen diese Entwicklung maßgeblich mit“, lobte die Landrätin die Arbeit.
Wie sehr sie die Entwicklung prägen, hat etwa Kulturstaatsminister Bernd Naumann deutlich gemacht, als er das Traumstern als eines der „besten Programmkinos Deutschlands“ lobte. Für die fein ausbalancierte Auswahl der Filme im Jahresprogramm sowie der Kurz- und Dokumentarfilme wurden die Macher mehrfach mit Bundespreisen ausgezeichnet. Grünberg hat ein anderes Konzept. Hier werden Filme gezeigt, die auf ein großes Publikum ausgerichtet sind, allerdings immer wieder auch mit dem Mut zur Lücke. Mit den Besucherzahlen sind die Kinobetreiber zwar zufrieden. Dass sie aber insgesamt rückläufig sind, kann an der Anziehungskraft von 3D-Filmen liegen, die in Gießen und Marburg gezeigt werden. Heftige Kopfschmerzen bereitet den Betreibern jedoch eine Baustelle am Berliner Platz in Gießen. Dort entsteht derzeit gegenüber des Rathauses ein Großkino. Das alleine stellt einen enormen Konkurrenzdruck für die beiden Lichtspielhäuser dar.
Die angekündigte Umwandlung des Kinocenters in der Gießener Bahnhofstraße in ein „Arthouse“-Kino mit Filmen, wie sie vor allem im Traumstern gezeigt werden, würde den Druck zusätzlich erhöhen. Das heißt: In naher Zukunft gibt es in der Region Gießen mehr als doppelt so viele Kinos, Leinwände, Sitzplätze als bisher, die in einer stagnierenden Marktsituation um ihre Anteile konkurrieren. Das macht deutlich, dass in einer verschärften Konkurrenzsituation die Nische Filmkunst, deren Anteil am Gesamtmarkt auf etwa 12 bis 20 Prozent beziffert wird, zumindest unter kommerziellem Gesichtspunkt an Bedeutung gewinnt. Auch Anita Schneider ist sich sicher: „Es wird mit dem Neubau des Gießener Großkinos eine andere Situation geben, aber es wird auch entscheidend sein, wie alle Beteiligten mit dieser Situation umgehen.“
30 Jahre liegt es zurück, dass Edith Weber von ihrem Vater das Kino in Grünberg übernommen hat. Viel wichtiger als 3D ist für sie die Umstellung auf digitale Projektionstechnik. „Die ganzen Jahre über habe ich von Hollywoodfilmen eine Kopie gekriegt.“ Das heißt, ein Film wurde auf mehreren Rollen angeliefert, im Kino gezeigt und wieder zurückgeschickt. Die Umstellung der Verleihfirmen auf digitale Projektion geht schneller, als sie gedacht hatte. „Das entwickelt sich zu meinen Ungunsten, es gibt immer weniger Filme auf 35 Millimeter.“ Nun überlegt sie, den „Turm“ umzurüsten. „Da ist die ältere Technik drin.“ Den Projektor hatte noch ihr Vater gekauft. Auch im Traumstern steht der Ausbau auf die aktuellen Standards der digitalen Technik bevor. In beiden Fällen sind damit Kosten in mehrfach fünfstelligem Bereich verbunden. „Der Landkreis Gießen wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, Sie zu unterstützen“, versicherte Landrätin Schneider.
Edgar Langer vom Traumstern ist nicht nur für die finanzielle, sondern auch ideelle Unterstützung des Landkreises dankbar: „Es ist ja die Idee des Preises, dass er zeigt: Es gibt ein Bewusstsein in der Politik dafür, dass es ein anspruchsvolles Programm auf dem Land gibt.“ Das Licher Lichtspielhaus ist derzeit außerdem mit einer Baustelle konfrontiert. Die angeschlossene Gastronomie „Savanne“ musste wegen schwerer Baumängel abgerissen werden. „Wir hoffen, dass es mit der Wiedereröffnung des Restaurants keine Verzögerung gibt“, sagt Edgar Langer.
Wenn auch nicht ökonomisch, war 2011 aus Sicht von Hans Gsänger dafür cineastisch ein sehr guter Jahrgang: „Es gab super Filme und das unabhängige Kino ist sehr stark aufgetreten.“ Und er nennt Beispiele wie „Black Swan“, „True Grit“ oder „Der Gott des Gemetzels“. In Grünberg liefen „Männerherzen 2“ und „Breaking Dawn“ aus der Twilight-Saga besonders gut. Apropos: Männer. Erstmals veranstaltete sie im Sommer eine Doppelnacht mit den beiden Teilen von „Hangover“. Eintritt gab es nur für Männer. Anstatt Prosecco und Häppchen wurde Bier und in der Pause Wurst vom Grill gereicht. „Das war eine tolle Sache. Ich werde heute noch darauf angesprochen“, erinnert sich Edith Weber. Eine Fortsetzung sei durchaus denkbar.










